Wie denken Hochbegabte - interessanter Vortrag von Dipl.-Psychol. Thomas Eckerle

Zwei Stunden lang herrscht gebannte Stille, als Diplom-Psychologe Thomas Eckerle vom Institut für Leistungsentwicklung aus Frankfurt am 25. April 2018 seinen Vortrag hält. Das Forum Hochbegabung Wiesbaden e.V. hat eingeladen, die "denkbar" von Sigrid Lutz stellt die Räumlichkeiten. Die anwesenden Eltern folgen voller Konzentration den Ausführungen des erfahrenen Spezialisten für das Thema Hochbegabung. An diesem Abend geht es um "Hochbegabung und Verselbständigung" - so der Titel des Vortrags. Thomas Eckerle erklärt zunächst verschiedene Entwicklungsphasen des menschlichen Gehirns. So erfahren die interessierten Zuhörer, dass das Gehirn von Hochbegabten zwei Jahre später in die ordnende Phase eintrete - nämlich nicht wie üblich zum Eintritt in die weiterführende Schule. Des weiteren erläuterte er, wie Eigenmotivation funktioniere und wie die fehlende Herausforderung im Unterricht zur Schwierigkeit für Hochbegabte werden kann. "Neurobiologisch entsteht Zufriedenheit dann, wenn eine erlebte Herausforderung um den Preis von Anstrengung bewältigt wurde. Durch Anstrengungen wird im Gehirn ein Ausstoß von Dopamin ausgelöst, der auf das Belohnungszentrum einwirkt und dort körpereigene Opiate (sog. "Endorphine") freisetzt." Dies möchte der Körper immer wieder erreichen, darum merke er sich diesen Weg zur Zufriedenheit. Das nenne man dann Eigenmotivation. Dieser Mechanismus sei bei hochbegabten Schülern aber leider oft durchbrochen, weil sie durch fehlende Herausforderungen keine Zufriedenheit und damit keine Motivation erreichen können. Im Laufe des Abends erfahren die Eltern im Publikum hilfreiche Tips, wie sie ihre Kinder begleiten können. "Stehen Sie hundertprozentig zu Ihren Kindern!", mahnt der Psychologe. Und: "Begabtenförderung ist eine Führungsaufgabe. Geben Sie zu Hause Struktur und Halt." Auch praxisnahe Tipps für Schüler, wie sie zu einer besseren Mitarbeit kommen können, hat Thomas Eckerle parat. Ebenso betont er, dass dem Gespräch in der Familie eine herausragende Bedeutung zukomme. "Vereinbaren Sie einen Jour Fixe mit ihren Kindern und sprechen Sie über Themen, die Ihnen wichtig sind." So könne man, so der Psychologe, Kinder weg vom einfachen Reproduzieren von Wissen weiterführende Gedanken und Diskussionen nahebringen.

Eckerles Vortrag bietet wissenschaftlichen Hintergrund ebenso wie praxisnahe Alltagshilfen, entstanden aus einem tiefen Verständnis der Situation von Hochbegabten und ihren Familien ebenso wie aus der langjährigen Erfahrung mit über 6000 Kindern, die Rat in Thomas Eckerles Institut für Leistungsentwicklung gesucht haben. Viele Fragen haben die Zuschauer heute nicht gestellt, sie sind erfüllt vom Gesagten, das noch lange in den Köpfen bewegt wird.

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